AI Security Landscape

AI Security Landscape

Von Benjamin Altmiks

KI in der Security: Die Frage ist nicht ob, sondern wo man anfängt

Wer ein altes Haus energetisch sanieren will, steht schnell vor einer entscheidenden Frage: Wo fängt man eigentlich an? Tauscht man zuerst die alte Ölheizung gegen eine Wärmepumpe? Oder lässt man besser erst eine Photovoltaikanlage aufs Dach bauen, die den Strom für ebenjene Wärmepumpe liefert? Beides ergibt Sinn, aber welcher der richtige erste Schritt ist, lässt sich ohne entsprechende Expertise oft nur schwer beurteilen.

Bei großen und mittelständischen Unternehmen sieht es gerade sehr ähnlich aus. KI? Ja gerne. Aber wo beginnen? Genau diese Unsicherheit beobachte ich seit längerem auch im Security-Bereich. Der naheliegende Einstieg ist meist ein vertrautes, alltägliches Thema. Viele lassen sich von einer KI zum Beispiel einfach lange Logfiles oder Reports zusammenfassen und auswerten. Und wenn ich der KI ohnehin schon solche Berichte vorlege, warum reiche ich ihr dann nicht gleich mehr Material, etwa den Source Code oder die Netzwerkinfrastruktur, und lasse beides direkt mitprüfen?

Schwierig ist dabei selten die Frage, ob KI hilft. Schwierig ist die Frage, wo man anfängt, ohne sich zu verzetteln.

Eine Karte, um sich zu orientieren

Aus genau diesem Grund haben wir den AI Security Landscape gebaut: eine offene Übersicht, die konkrete KI-Anwendungsfälle in der Cyber Security sortiert. Auf der einen Achse stehen die Security-Abteilungen, von Infrastruktur und AppSec über Security Operations bis hin zu GRC und Business Resilience. Auf der anderen Achse steht der jeweils passende Machine-Learning-Ansatz, von unüberwachtem Lernen bis zu Large Language Models.

Der wichtigste Gedanke dahinter: Ein LLM ist nicht immer die beste Wahl. Für viele Aufgaben passt ein klassischer ML-Ansatz schlicht besser, ist robuster und braucht weniger Aufsicht. Die Karte macht das sichtbar und hilft Teams zu erkennen, welcher Einstieg zu ihrer Datenlage und ihrem Reifegrad passt.

Ein Beispiel: der Weg zur KI-gestützten Code-Analyse

Nehmen wir ein Unternehmen, das künftig seine Code-Analysen von KI unterstützen lassen möchte. Dass LLMs dazu in der Lage sind, wurde zuletzt eindrucksvoll sichtbar, als ein Modell einen Bug in kritischer Software fand, der zuvor 27 Jahre lang von Sicherheitsexperten unentdeckt geblieben war. Im Alltag der Softwareentwicklung können LLMs auf dieselbe Weise Qualität und Sicherheit spürbar verbessern.

Nur: Ein LLM ohne Zusatzinformationen einfach blind über den Code laufen zu lassen, ist selten der beste Ansatz. Genau hier setzt der AI Security Landscape an. Er zeigt, dass ein vorgelagertes Threat Modeling dem Scanner wertvollen Kontext liefert. Welche Komponenten und Klassen sind besonders kritisch? Wie hängen die Teile zusammen? Mit diesen Antworten weiß die KI, worauf sie zuerst schauen muss, statt flach über die gesamte Codebasis zu scannen.

Das Schöne daran: Auch das Threat Modeling selbst lässt sich von KI vorbereiten. Wie mithilfe des Model Context Protocol (MCP) künftig automatisiert Threat Models erstellt werden können, ist ebenfalls Teil des AI Security Landscape. Damit wird ein KI-gestütztes Threat Modeling oft zum besseren Startpunkt für die erste KI-Umsetzung im Unternehmen, weil es allen folgenden Schritten eine solide Grundlage gibt.

Wenn die Grundlagen schon stehen

Und wenn ein Unternehmen bereits erfolgreich Threat Modeling betreibt und darauf aufbauend ein LLM zur Schwachstellen-Identifikation im Source Code nutzt? Dann hört der AI Security Landscape nicht auf. Er zeigt, welche Ansätze sich parallel oder anschließend lohnen.

Ein gutes Beispiel ist die RAG-based Vulnerability Triage & FP Reduction. Hier laufen die verschiedenen Informationsquellen zusammen, das Threat Model, die Scan-Ergebnisse und ergänzende Kontexte wie Architekturbeschreibungen. Sie werden strukturiert in eine Vektordatenbank überführt, also eine Art zentrale Wissensplattform, auf die ein LLM gezielt zugreifen kann. Auf dieser Basis lässt sich jede gefundene Schwachstelle fundiert bewerten. Das Modell kann mit dem vollen Kontext deutlich verlässlicher einschätzen, was ein echter Befund ist, was vermutlich ein False Positive bleibt und ob eine Schwachstelle überhaupt erreichbar ist.

Aus einem einzelnen Werkzeug wird so Schritt für Schritt eine zusammenhängende Kette, in der jeder Baustein den nächsten besser macht. Genau das ist der Gedanke hinter der Karte: nicht überall gleichzeitig anfangen, sondern dort, wo der erste Schritt den größten Hebel für alle weiteren hat.

Mitmachen erwünscht

Der AI Security Landscape ist ein offenes Projekt. Er lebt davon, dass Praktikerinnen und Praktiker ihre Erfahrungen einbringen, neue Use Cases ergänzen und bestehende schärfen. Wer einen Anwendungsfall vermisst oder aus der eigenen Praxis etwas beitragen kann, ist herzlich eingeladen, mitzuwirken.

Einen Topic beizutragen ist bewusst einfach gehalten: eine Markdown-Datei kopieren, ausfüllen, Pull Request öffnen. Den Rest prüft die Pipeline automatisch. Jeder Beitrag macht die Karte ein Stück nützlicher für alle, die gerade vor derselben Frage stehen: KI in der Security, ja gerne, aber wo anfangen?

Neuerungen der ISO/IEC 27001 und ISO/IEC 27002

Neuerungen der ISO/IEC 27001 und ISO/IEC 27002

von Dominik Weyand

Anpassung der Normen

Seit der letzten Revision sind die Cybergefahren stark angestiegen, die Anforderungen an den Datenschutz wurden verschärft und die technische Entwicklung ist vorangeschritten. Aus diesen Gründen war es notwendig die Anforderungen an die ISO/IEC 27002 sowie an die ISO/IEC 27001 von Grund auf zu überarbeiten. Diese Anpassungen wurden in Form der ISO/IEC 27001:2022 und der ISO/IEC 27002:2022 bereits veröffentlicht.

Änderungen durch die Revision

Die wesentlichen Änderungen beziehen sich auf die inhaltliche Umstrukturierung der ISO/IEC 27002. Vergleicht man die beiden Gliederungen, so ist schnell erkennbar, dass in dem neuen Standard aus 114 Maßnahmen in 14 Bereichen 93 Maßnahmen in 4 Bereichen geworden sind. Die Reduzierung ist dadurch erklärbar, dass bestimmte Inhalte zusammengefasst, allerdings nicht weggefallen sind. Zusätzlich gibt es 11 neue Maßnahmen, welche in dieser Form im vorherigen Standard nicht existieren. Weiterhin wird in der neuen Version das Ziel jeder Maßnahme explizit definiert und durch weitere Informationen spezifiziert. Die folgenden 11 neuen Maßnahmen wurden aufgenommen, um aktuelle Entwicklungen in der Informationssicherheit zu berücksichtigen:

5.7 Bedrohungsintelligenz Organisatorische Maßnahme
5.23 Informationssicherheit für die Nutzung von Cloud-Diensten Organisatorische Maßnahme
5.30 IKT-Bereitschaft für Geschäftskontinuität Organisatorische Maßnahme
7.4 Überwachung der physischen Sicherheit Physische Maßnahme
8.9 Konfigurationsmanagement Technologische Maßnahme
8.10 Löschung von Informationen Technologische Maßnahme
8.11 Datenmaskierung Technologische Maßnahme
8.12 Verhinderung von Datenverlusten Technologische Maßnahme
8.16 Überwachungstätigkeiten Technologische Maßnahme
8.23 Web-Filterung Technologische Maßnahme
8.28 Sichere Kodierung Technologische Maßnahme

Hierbei muss beachtet werden, dass nicht einfach alle Maßnahmen aus dem Anhang abgearbeitet werden sollen, sondern die Risiken aus der jeweiligen Unternehmensperspektive zu betrachten sind. Die neue Version fordert also, dass dem Blick in den Normenkontext der Blick auf die Situation und die Bedürfnisse des Unternehmens vorausgehen muss. Auf dieser Grundlage müssen die Risiken analysiert und Maßnahmen für das Unternehmen abgleitet werden.
Neben den signifikanten Änderungen des Anhangs wurden auch einige Stellen in der Norm angepasst. So wurden beispielsweise in den Kapiteln einzelne Anforderungen umformuliert oder durch zusätzliche Aufzählungspunkte ergänzt. Darüber hinaus wurde das Unterkapitel 9.3 Managementbewertung stärker untergliedert, um die Bedeutung dieser hervorzuheben. Ebenso wurde die Reihenfolge in Kapitel 10 Verbesserung getauscht, wodurch die fortlaufende Verbesserung vor den Umgang mit Nichtkonformitäten und Korrekturmaßnahmen gestellt wird.

 

Handlungsbedarf

Die neuen Anpassungen im Anhang sorgen dafür, dass das Informationssicherheitsmanagement gemäß ISO/IEC 27001 mit anderen Managementsystemen zu einem integrierten Managementsystem zusammengefügt werden kann und die Unternehmen somit von den Synergieeffekten profitieren. Auf Grund der stetig steigenden Anzahl an Anforderungen und Managementsystemen führt dies zu einer Reduzierung des operativen Aufwands. An erster Stelle sollen allerdings die zuvor genannten Änderungen bereits enthaltene Inhalte spezifizieren und keine grundlegend neuen Anforderungen an das Informationssicherheitssystem stellen. Während das Managementsystem also weitestgehend gleich bleibt, liegt die wirkliche Arbeit beim Umstieg auf die neue ISO 27001:2022 in der Umstellung der Risikoanalyse auf die neuen Controls. Die Übergangsfrist für die Umstellung auf die neue Version beläuft sich gemäß den Vorgaben des International Accreditation Forum (IAF) auf den 31.10.2025. Unternehmen, die vor einer Rezertifizierung stehen, können bis zu diesem Zeitpunkt entscheiden, ob sie nach dem bisherigen oder dem neuen Standard zertifiziert werden. Für Unternehmen, die neu anfangen ist es ratsam sich direkt an der Version 2022 zu orientieren. Somit lässt sich festhalten, dass sich der Umfang der Änderungen für bereits zertifizierte Unternehmen im Rahmen hält und diese besser gleich umgesetzt werden sollen. Der Aufwand für Unternehmen, die bislang die Punkte des Anhangs lediglich abgehakt haben ist jedoch um ein vielfaches höher. Insbesondere die Überarbeitung der SoA (Statement of Applicability), welche die Maßnahmen zur Behandlung von Risiken auflistet und beschreibt, nimmt einige Zeit in Anspruch. Ebenso müssen die in der Risikoanalyse festgestellten Risiken mit wirksamen Maßnahmen verknüpft werden. Darüber hinaus ist es wichtig alle in der Norm enthaltenen Anforderungen zu bearbeiten. Sollten bestimmte Anforderungen nicht zum Unternehmen passen muss hierzu eine Begründung abgegeben werden, weshalb diese nicht für das Unternehmen relevant sind.
Abschließend ist zu beachten, dass die tatsächlichen Auswirkungen der Revision auf Unternehmen von verschiedenen Faktoren abhängig sind. Daher wird empfohlen, sich mit einem Experten für Informationssicherheit Verbindung zu setzen, um die genauen Auswirkungen der ISO 27001:2022 auf Ihr Unternehmen zu ermitteln und geeignete Maßnahmen umzusetzen.